Sonntag, 24. August 2008

Besuch in Potsdam


Gestern war ich mit Chrissi in Potsdam verabredet. Sie hat ihren Mann zu einem beruflichen Termin dorthin begleitet und wie auch bei den Staatsbesuchen gibt es zwischendurch ein "Damen-Programm". Und so hat sich die Gelegenheit ergeben, dass wir uns nach knapp 3 Jahren per Brief persönlich kennenlernen konnten.
Der Tag begann allerdings mit richtig heftigem Landregen - eigentlich kein so einladendes Wetter für eine Stadterkundung. Leider hab ich zu allem Überfluss auch noch die Kamera zu Hause liegen lassen. Deshalb kann ich auch nur einige Schnappschüsse beisteuern. Aber Chrissi hat alles im Bild festgehalten. Und das Wetter hatte auch ein Einsehen mit uns - es wurde von Stunde zu Stunde sonniger.

Zunächst hat uns der Weg zum Grundstück des berühmten Staudenzüchters Karl Förster geführt. Dort gibt es eine tolle Gartenanlage zu bestaunen mit vielen Pflanzen, die zumindest ich noch nicht kannte. Es ist echt ein Idyll und bei schönem Wetter lässt sich auf der Bank im Schatten der Bäume mit einem herrlichen Blick auf den Senkgarten und Teich prima verweilen. Bei uns war's zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz so gemütlich. Im Moment kümmert sich seine Tochter Marianne Förster um diese Gartenanlage. Gleich nebenan ist übrigens auch eine große Staudengärtnerei, in der das Herz eines jeden Gärtners wahrscheinlich höher schlägt. Wir hätten auch am liebsten, aber...


Der nächste Programmpunkt war das Krongut Bornstedt. Es gehört zum Ensemble der berühmten Schlösser und Gärten Postdams. Erste Erwähnung fand "Bornstede" in einer Urkunde von 1304. Das Rittergut wurde dann um 133o durch die sächsische Familie von der Gröben errichtet. Nach der Notzeit im 30-jährigen Krieg wurde das Gut an den großen Kurfürsten verkauft. Es entstehen die Brauerei und Brennerei auf dem Gelände. 1846 fällt das gesamte Gut (bis auf einen Teil des Herrenhauses) einem Brand zum Opfer. In den folgenden Jahren wird es im italienischen Landhausstiel wieder aufgebaut und das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm (1831–1888) und seine englische Gemahlin Victoria (1840–1901) übernehmen und bewirtschaften das Gut als "Naturalbesitz und zum Nießbrauch" und machen es zu einem Mustergut. Hauptsächlich Milchwirtschaft und Hühnerzucht.
1901 zieht Prinzessin Feodora (1847-1910), jüngste Schwester der Kaiserin Auguste-Victoria (1858-1921) in das Krongut ein. Es entsteht ein Künstlerhof mit Schriftstellern, literarischen Zirkeln und Malern. Nach ihrem Tode bleibt das Gut zunächst unbewohnt.
1927 wird das Gutshaus zu einem 4-Familien-Haus umgebaut. Letzter Eigentümer ist 1950 der Kronprinz Wilhelm von Preußen. Kurze Zeit später wird der Besitz enteignet und der Reiz der Anlage durch zahlreiche Umbauten zerstört.
Im Jahr 1999 beginnt die Restaurierung und Sanierung des Krongutes. Eingeweiht wird die Anlage am 1. Juni 2002, dem Jahr der Romantik.

Heute beherbergt die Anlage u.a. ein Standesamt, einen Rosengarten, verschiedenes Handwerk - angefangen vom Hofbäcker über den Hoffriseur, Glasbläser, Schokoladenmanufaktur... Es gibt in diesem Gebäude einen wunderbaren Gutsladen, der sicher für jeden Besucher etwas zu bieten hat. Ob es tolle Keramik mit dem Design "Herr Ribbeck aus Ribbeck im Havelland" ist oder handgemachten Senf in unendlich vielen Geschmacksrichtungen, Gewürze, Öle. Auch Modedesigner, Perlen- und Wollkünstlerinnen bieten ihre Produkte an. Man kann auch das eine oder andere schöne Stück für den Garten finden. Und nicht zuletzt ist auch reichlich für das leibliche Wohl gesorgt. Wie gesagt, gestern war das Leben auf dem Gutshof durch das zu dem Zeitpunkt noch trübe Wetter etwas schaumgebremst. Aber ich weiß von Kollegen, dass es z.B. in der Spargelsaison absolute Feststimmung herrscht. Und die vielen blühenden Oleander sind uns aufgefallen - sicher hunderte Pflanzen in allen möglichen Farben. Das muss bei Sonnenschein eine Augenweide sein.
Übrigens, vom 22.11. - 28.12. findet dort der traditionelle "romantische Weihnachtsmarkt" statt. Also wer Lust hat - er ist sicher eine Reise wert!

Und vom Krongut aus fanden wir uns auf "verschlungenen" Wegen plötzlich an der Orangerie der Parkanlage Sanssouci wieder.

Anschließend sind wir durchs holländische Viertel geschlendert. Es liegt im Herzen Potsdams und wurde (1733-1740) auf ehemaligen Sumpfgebiet unter Leitung des holländischen Baumeisters Johann Boumann errichtet. Diese roten Klinkerhäuser strahlen viel Wärme aus und die Mischung von kleinen Läden, Galerien, Werkstätten, Kneipen, Restaurants und Cafés geben dem Holländischen Viertel ein Flair, das es bei Einwohnern und Touristen gleichermaßen beliebt macht. Leider hab ich davon kein Bild zu bieten. Aber vielleicht Chrissi - auf jeden Fall aber google. Also, in diesem Teil der Stadt könnte man sicher tagelang verweilen, um all die "lauschigen Lokalitäten" richtig zu genießen.

Im Neuen Garten haben wir diese "himmlische Ruhe" mitten in der Stadt genossen. Beim Schloss Cecilienhof, der Gedenkstätte zum Postdamer Abkommen, war verständlicherweise wieder mehr Touristenauflauf.

Beeindruckend für uns waren auf jeden Fall diese herrlich-vielfältigen Rabatten - besonders dieses Arrangement ausschließlich aus Blattpflanzen. Einmalig schön!

Ansonsten "verliefen" sich die Besucher allerdings auf dem großen Parkgelände zwischen Jungfern- und Heiligensee. Das Marmorpalais ist vollständig verhüllt und wird derzeit restauriert.

Und plötzlich tauchte vor uns eine Pyramide auf? Jetzt weiß ich auch, was es damit auf sich hat?
Sie wurde in den Jahren 1791/92 zum Frischhalten der Lebensmittel errichtet. Das Eis dafür wurde im Winter dem Heiligensee entnommen. Kaiser Friedrich Wilhelm II gehörte der Freimaurer-Loge an und deren Bedeutungsinhalte spiegeln sich in dem Stil einiger Gebäude wieder.

Noch kurz einen Blick hinüber zu den Villen der Schönen und Reichen wie Jauch, Joop etc.

Nachdem ich ja seit unserem Urlaub bestrebt bin, meiner Gesundheit und dem Gewicht zu Liebe noch mehr Strecken zu Fuß zurückzulegen, hab ich gestern auf jeden Fall einen wertvollen Beitrag dazu geleistet. Und da durfte ich mir zum Abschluss auch guten Gewissens ein absolut leckeres Stück "Donauwelle", in der "Biosphäre" mit netter Gesellschaft dieser beiden Gesellen, leisten.

Und nun werde ich mich gemütlich in die Sofa-Ecke zurückziehen und den verregneten Sonntag zum gemütlichen Lesen und Stricken nutzen.
Auch Euch wünsche ich einen schönen Sonntag, wie immer Ihr ihn Euch gestaltet!!!

Kommentare:

  1. Hallo, bin auch wieder im Lande, bzw. im Norden. Werde noch schnell einen Kaffee genießen und etwas Abschluss-Olympiade schauen und dann beschäftige ich mich mit meinem Blog. Du hast ja schon viel dazu geschrieben...und das mit den Handybildern hat doch gut geklappt.
    Und wir hatten Glück - im Norden hat es den ganzen Tag sinnflutartig geregnet.
    Dann ruhe dich mal weiter aus - LG Chrissi

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  2. Wieder einmal wunderschöne Bilder und ein toller Bericht.
    Lesen und Stricken? Hört sich gut an. Mach ich heute auch noch!
    Lieben Gruss
    Gisela

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  3. So schöne Bilder und ein wirklich interessanter Bericht, Potsdam sollte eine Reise wert sein.
    Liebe Grüße
    Simone

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  4. Hallo Marlene, das sind ja tolle Eindrücke. Karl Förster's Staudengarten möchte ich auch einmal gerne besuchen. Darum beneide ich dich, dass du den Garten so nah bei dir hast - aber ich gönne es dir natürlich. :-) Tja, Berlin ist schon eine Reise wert! Ganz liebe Grüße aus dem Süden Deutschlands von Andrea

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  5. Die Fotos sind echt toll rausgekommen. Ich hab mal welche mit dem Handy probiert und seitdem nie wieder. Seitdem bin ich meist nie ohne Kamera unterwegs. Man weiss ja nie..:)
    Als ich in Berlin war, war es Winter und alles grau in grau - aber damals haette ich mich noch gar nicht fuer Blumen interessiert. Also schaue ich sie mir jetzt sehr gerne bei dir an:)
    LG, Bek

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  6. Hallo Marlene,
    wunderbar, dein Spaziergang mit uns durch die Vergangenheit, habe es sehr genossen!!! Das ist gelebte Geschichte, wie schön.
    LG, Martina

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  7. Hallo Marlene,
    ach, ich liebe Potsdam auch.....war schon oft dort, da mein Sohn ja in Berlin wohnt und wir immer gerne einen Abstecher nach Potsdam machen....Deine Bilder sind wunderschön....und, übrigens....ich liebe auch Donauwellen!!!!
    GLG,
    Iris

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  8. liebe marlene,

    ja, potsdam ist immer wieder eine reise wert. und wundervolle bilder hast du da gemacht.

    ich wünsche dir noch eine schöne woche

    gglg
    karin

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  9. Hallo Marlene, das sieht ja wunderschön aus!!! Da möchte ich auch unbedingt mal hin :o)!!! Vielen Dank für Deine Bilder.
    Liebe Grüße Barbara

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  10. Hallo liebe Marlene, komme gerade von Chrissi und habe an Eurem super tollen Ausflug schon einmal teilgenommen. Klasse hier bei Dir auch noch mal die Nachlese zu lesen und zu sehen. Ich glaube gern, dass Ihr einen super tollen Tag hattet.

    Schöne Restwoche wünsche ich Dir. LG Birgit

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